Spezialist mit dem Blick fürs Ganze

INTERVIEW MIT DR. STEFAN PEES, LEITER DER SOFTWARE-ENTWICKLUNG IP
STAND 2014

Dr. Stefan Pees ist Leiter der Software-Entwicklung IP bei Gira. Er hat den Bereich seit seinem Start bei Gira im Jahr 2010 aufgebaut und sich damit sein Aufgabengebiet selbst erabeiten und definieren können. Den besonderen Gestaltungsspielraum, den seine Position bei Gira bietet, schätzt er sehr. Neben der Elektrotechnik hat er auch Philosophie studiert. Das hat sein Verständnis für große Zusammenhänge geschult. Er schaut über das Hier und Heute hinaus und behält die Visionen für morgen stets im Blick.

Themen Dieses Artikels


Neue Technologien


Entwicklung neuer Aufgaben


Gestaltungsspielraum

Worin besteht die Aufgabe eines Leiters der Software-Entwicklung IP bei Gira?

SP: Ich bin verantwortlich für den Ablauf der Software-Entwicklung, die erforderlich ist, um Produkte oder deren Komponenten zu realisieren. Dafür stelle ich die Projektteams zusammen. Die meiste Software realisieren wir gemeinsam mit externen Dienstleistern. Wir haben teilweise Projekte, an denen fünf oder sechs verschiedene Firmen oder Teams beteiligt sind. Da ist es wichtig, dass die Leute gut zusammenarbeiten können. Wir brauchen Fachleute, die entsprechend qualifiziert sind und auch im Sinne eines Teamgedankens arbeiten, die also auch auf sozialer Ebene gut zu uns passen. Zudem bin ich dafür verantwortlich, die komplexe Infrastruktur für die Projekte bereitzustellen. Denn die Arbeitsergebnisse, die in den verschiedenen Teams entstehen, müssen an zentraler Stelle zusammengetragen werden und reproduzierbar sein. Schließlich gibt es auch das ganze Thema Testmanagement. Ich setze mich dafür ein, dass wir einheitliche Standards haben, wie wir Software testen. Nicht zuletzt betreue ich die fachliche Entwicklung und den Kompetenzaufbau bei Gira.

Warum ist der Bereich Software-Entwicklung so wichtig für Gira?

SP: Das liegt daran, dass für viele Gira Produkte das Interface-Design immer bedeutender wird. Unsere besondere Differenzierung zum Wettbewerb macht sich durch die Vereinigung von Design und Funktion bemerkbar. Traditionell hat man versucht, durch die sorgfältige Auswahl von Materialien, Formen und deren Gestaltung im Rahmen des Produktdesigns die Funktion möglichst schlüssig im Material abzubilden. Im Bereich der Software ist es so, dass die gestalterische Fläche für das Mechanikdesign immer weiter zurückgedrängt wird. Man kann sich das am Beispiel eines Smartphones gut vor Augen halten. Da besteht der Wunsch, das Interface, also die Benutzeroberfläche, möglichst groß zu machen, und das Gerät selbst existiert abgesehen von dem Display nur noch am Rand. Wenn wir uns also über die Differenzierung und über den Wettbewerb unterhalten, dann geht es zunehmend um das, was auf den Displays zu sehen ist. Die Software ist deswegen für uns von großer Bedeutung, weil sie das Medium ist, über das wir das Interface-Design realisieren. Eine gute Gestaltung des Interface bietet die Chance, die Benutzer emotional anzusprechen. Es soll zu etwas werden, das Spaß macht, es anzuwenden. Wir versuchen, darüber Freude an der Gebäudeautomation zu vermitteln.


In seiner Freizeit musiziert Dr. Stefan Pees häufig auf seiner Gitarre – am liebsten gemeinsam mit seinem Sohn.


Sie sind seit Januar 2010 in der Firma. Warum haben Sie damals gesagt: Ich gehe zu Gira?

Mich hat die Art und Weise überzeugt, wie bei Gira das Kennenlerngespräch, die Interviews geführt wurden. Es gab eine gute Atmosphäre und eine Verbindlichkeit in den Aussagen. Hinzu kamen die im Vergleich ganz anderen Erfahrungen, die ich in börsengeführten Unternehmen gemacht habe. Jetzt gab es die Aussicht auf ein Familienunternehmen und die entsprechende Stabilität, die für mich sehr wichtig war. Entscheidend war für mich auch die Erwartung eines großen Gestaltungsspielraums.

Den haben Sie dann ja auch erhalten. Sie haben sich Ihr Aufgabengebiet bei Gira von Grund auf entwickeln dürfen. Was bedeutet das für Sie?

Das war für mich tatsächlich einer der Hauptgründe, bei Gira anzufangen. Die Art und Weise, wie wir den Prozess hier begonnen haben, zeugt von einem großen Vertrauensvorschuss. Ich habe einen weiten Gestaltungsspielraum bekommen, um diesen Bereich aufzubauen und zu etablieren. Ich fühle mich durchgängig sehr gut unterstützt. Ich habe hier die Chance bekommen, Mitarbeiter aufzubauen, die nun sehr verantwortungsvolle Aufgaben innehaben, diese auch koordinieren und Projekte technisch steuern. Es ist eine der Stärken eines Familienunternehmens, dass die Unternehmensführung in den Entscheidungen wesentlich unabhängiger ist. Bei Gira wird auch langfristig gedacht und wir sind in der Lage, notwendige Investitionen wie den Aufbau von Mitarbeitern tatsächlich umzusetzen.


Ob Computersprache oder Notentext – Dr. Stefan Pees fühlt sich in verschiedenen Welten und Systemen zu Hause.


Was hat sich strukturell bei Gira durch den Software-Bereich geändert?

Wir haben angefangen, ein internes Team von Software-Architekten aufzubauen. Neu war dann, dass diese Software- Architekten in die Projekte hineingehen und unsere externen Entwicklungspartner unterstützen, ihnen vermitteln, welche Qualitätsansprüche und welche konzeptionellen Erwartungen wir haben und welche Visionen wir langfristig über den Projekthorizont hinaus realisieren wollen. Das war der erste Schritt. Das geht nun weiter. Wir investieren in unsere eigene Software- Entwicklung, unsere eigenen Teams. Nur intern können wir längerfristige Visionen entwickeln, also mit eigenen Mitarbeitern, die auch eingebunden sind in das gesamte Denken hier im Unternehmen. Langfristig können wir unsere Ideen dann selber umsetzen. Das ist wichtig, da zunehmend mehr Funktionen über Elektronik und über Software realisiert werden. Unsere Investitionen in die Software-Entwicklung sind daher enorm gestiegen.

Sie bezeichnen sich selbst als Optimisten. Wie sehr beeinflusst Sie diese Eigenschaft in Ihrem Handeln oder bei Ihren Entscheidungen?

Ich tendiere sicherlich sehr dazu, immer das Machbare, das Gute zu sehen. Über alle Widrigkeiten hinweg versuche ich, das, was zum Ziel führt, im Auge zu behalten. Ich bemühe mich, eine Vision nicht aus den Augen zu verlieren. Auch bei einer Detaillösung, bei einer pragmatischen Jetzt-Lösung, ist es mir wichtig, immer zu reflektieren: Was ist in zwei oder was ist in fünf Jahren? Das ist auch manchmal für meine Kollegen anstrengend, weil ich mich auch immer an Themen reibe, die in der Form jetzt noch nicht gelöst werden können. Mein Bestreben ist es, dort immer zumindest den ersten Schritt zu tun, uns ein Stückchen weiter in diese Richtung zu treiben und die Energien und das Kreativpotenzial zu aktivieren, die uns helfen, weiter zu denken.

Sie haben neben Elektrotechnik auch Philosophie studiert. Kommt daher der besondere Blick auf das große Ganze? Inwiefern prägt Sie das?

Philosophie ist eine Wissenschaft von dem Nachdenken über das Warum. Sicherlich beeinflusst mich das Ganze. Es prägt durchaus mein Ethos und mein Selbstverständnis, wie ich mit meinen Kollegen und meinen Mitarbeitern umgehe. Es ist mir bewusst, dass ich mit Menschen zu tun habe, die auf diesem Planeten für vielleicht rund 80 Jahre unterwegs sind und einen Teil ihrer Lebenszeit in diesem Unternehmen verbringen. Es ist wichtig, dass wir uns als Menschen Unternehmen schaffen, die auch für uns Menschen gut sind, und nicht nur Menschen entwickeln, die für die Unternehmen gut sind.

STECKBRIEF DR. STEFAN PEES


Geboren
1968

Bei Gira seit
2010

Werdegang
Im Rahmen seiner Promotion begab er sich für mehrere Forschungsaufenthalte in die USA und entwickelte eine Computersprache, die heute weltweit von zahlreichen Mikroprozessor-Design-Teams eingesetzt wird.

Werdegang bei Gira
Seit 2010 ist er bei Gira als Leiter Software-Entwicklung IP tätig.

[Stand 2014]


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