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Pioniere mit Vertrauensvorschuss

INTERVIEW MIT ANDRÉ DORNSEIFF, SENIOR-HARDWAREENTWICKLER,
HARTMUT HEINBACH, PROGRAMMIERER FÜR HARDWARENAHE SOFTWARE/FIRMWARE
STAND 2014

Gira hat im Jahr 2002 die Türsprechanlage im Schalterprogramm erfunden und damit die Welt der Gebäudetechnik revolutioniert. André Dornseiff, Senior-Hardwareentwickler und Hartmut Heinbach, Programmierer für hardwarenahe Software/Firmware sind die Männer der ersten Stunde: Beide zeichnen verantwortlich für die Entstehung eines Marktsegments, das Gira bis heute hohe Wachstumsraten und Umsätze in Millionenhöhe beschert. Gemeinsam mit Frank Schimmelpfennig, Leiter Elektronikentwicklung bei Gira, sprechen die beiden über die großen Herausforderungen im Projekt, über Ideenentwicklung in technischen Berufen und den besonderen Moment, in dem das kreierte Produkt die Bühne der Öffentlichkeit betritt.

Themen Dieses Artikels


Innovationsprozesse


Neue Technologien


Freiraum für neue Entwicklungen

Meine Herren, worin lag die große Herausforderung bei der Idee der Türsprechanlage im Schalterprogramm?

FS: Die Pionierarbeit lag darin, die Hardware so klein zu bekommen, dass sie in die klassische Unterputzdose passt. Miniaturisierung war damals in dem Maße nicht bekannt. Der zweite Punkt war die Akustik der Freisprechanlage. Experten sagten uns: Das ist nicht lösbar. Ihr werdet Mikrofon und Lautsprecher nicht ohne Rückkopplungen so dicht nebeneinander platzieren können.

AD: Die Sprechanlagen der Wettbewerber hatten schon ziemlich üppige Maße. Von daher war die Miniaturisierung wirklich die Herausforderung

HH: Vor elf Jahren waren die Bauteile noch nicht so klein, wie man das heute von Mobiltelefonen kennt. Man kann sagen: Fünf Jahre vorher wäre es definitiv unmöglich gewesen, unsere Idee zu realisieren.

Ihre Entwicklungsarbeit startete also im Jahr 2000. Wie sah das konkret aus?

AD: Zu dieser Zeit kam von dem damaligen Geschäftsführer der Satz: „Machen Sie mal Türkommunikation.“ Dann konnten wir lange Zeit erst mal in Ruhe arbeiten. Die Geschäftsführung hatte natürlich großes Interesse an dem Projekt, doch es war nicht so, dass ständig gefragt wurde: „Herr Dornseiff, wie sieht es denn aus, wann können wir liefern?“

Das bedeutet, Sie konnten Ihre volle Energie ins Thema stecken, obwohl Sie gar nicht wussten, ob etwas dabei herauskommt? Das ist für Gira ja auch ein Risiko, oder?

FS: Das Risiko war schon sehr hoch, keiner wusste, ob das wirklich machbar ist.

AD: Dass etwas dabei herauskommen würde, war schon sehr wahrscheinlich, nur ob das mit dem Freisprechen und dem kleinen Aufbau klappen würde, konnten wir über einen längeren Zeitraum nicht wirklich abschätzen.

Trotzdem haben Sie beide die ganze Zeit über Ihre volle Power da hineingesteckt. Ist das nicht der Traumjob für jeden Entwickler?

HH: Wir wurden schon von der ersten Stunde an von unserem eigenen Ehrgeiz gepackt. Wir wollten wirklich das beste Türkommunikations- System entwickeln, das in Deutschland auf dem Markt ist. Und am Ende ist uns das ja auch gelungen.


Nur einer spielt ehrenamtlich im Posaunenchor der Kirche – aber bei der Entwicklung der „Gira Türkommunikation im Schalterprogramm“ gaben sie gemeinsam den Ton an: Hartmut Heinbach [rechts] und André Dornseiff [links]. „Wir wurden schon von der ersten Stunde an von unserem eigenen Ehrgeiz gepackt.“


Welchen Zeitplan hatten Sie sich gesetzt?

HH: Wir hatten einen sehr ehrgeizigen Zeitplan aufgestellt, den wir auch gehalten haben. Das System wurde in zweieinviertel Jahren entwickelt, Ziel war die Präsentation auf der Light + Building 2002. Das war schon eine Leistung, wenn man bedenkt, für wie viele Gerätekomponenten allein Software entwickelt werden musste. Das schafft man nicht fünf Mal im Leben.

Wegen des Schlafmangels?

HH: Na mit den Gedanken waren wir schon Tag und Nacht bei der Sache, auch am Wochenende. Auf der anderen Seite erinnere ich mich aber auch gerne an diese Zeit, weil das nicht alltäglich ist, in einem Team eine solche Leistung gut hinzubekommen.

AD: Mir ging das ähnlich. Meine Familie zeigte zum Glück Verständnis, wenn ich gedanklich oft beim Projekt war. Das war schon eine Ausnahmesituation. Mit welchen Problemen haben Sie besonders gekämpft? Wie haben Sie zum

Beispiel das Thema mit der Freisprechanlage in den Griff bekommen?

AD: Das haben wir letztendlich mit der Einrichtung einer elektronischen Sprachwaage in den Griff bekommen, obwohl das nach der Applikation laut Datenblatt erst mal nicht funktioniert hätte. Auch mit der Beleuchtung der Ruftaster hatten wir zu kämpfen. Letztendlich kamen wir auf die LED-Technologie mit Lichtleitern, wie das ja heutzutage auch üblich ist. Damals war das aber bei Türsprechanlagen noch nicht verbreitet.

HH: Ich habe mich unter anderem ziemlich lange mit dem begrenzten Speicher der Mikrocontroller beschäftigt. Wir hatten bei der Implementierung der Türkommunikations- Firmware lediglich zwei Kilobyte Speicher zur Verfügung, und das war einfach zu wenig. Wir hatten in einem Gerät 105 % Füllstand. Und wenn Sie eine Software schon fünf Mal optimiert haben, wird es immer schwieriger, noch etwas zu finden, was optimiert werden kann. In dem Fall habe ich mich eine Woche lang hingesetzt und nach Code gesucht, den ich einsparen könnte.

Wie hat sich das angefühlt, als das System dann tatsächlich reif für die Messepräsentation war?

AD: Das war natürlich ein toller Auftritt auf der Light + Building 2002. Als die Kunden kamen, gab es erst mal eine Menschentraube an den Präsentationswänden, das war proppenvoll, man kam nicht durch. Die Leute waren begeistert, das war aus vielen Gesprächen herauszuhören. Vor allem, weil wir direkt die Video-Funktion mitgezeigt hatten.

Das ist ja bestimmt ein ganz emotionaler Moment, wenn man das eigene Baby dann auf dem Markt sieht, oder?

AD: Da gibt es schon eine gewisse Euphorie.

HH: Ja, Baby, das ist das passende Wort. Das ist wie Kinder großziehen und geht mit Schmerzen einher.


Hartmut Heinbach [links] und André Dornseiff [rechts] können sich die nächste Produktrevolution vorstellen. „An Ideen ist jedenfalls nie Mangel“, sagt Hartmut Heinbach, „ich hätte jetzt gerade fünf bis zehn Themen, bei denen ich mal genauer nachschauen müsste.“


Das System war ja auch am Markt ziemlich schnell erfolgreich.

HH: Ja, wir waren von Beginn an kommerziell erfolgreich. Da entstand ein komplett neues Geschäftsfeld für Gira, und trotzdem gab es schon 2003, als die Geräte lieferfähig waren, wirklich gute Umsätze.

Wenn Sie mal generell die damalige Arbeitssituation mit der heutigen Zeit vergleichen, hat sich viel geändert?

AD: Nein, im Prinzip nicht, obwohl die Arbeitsteilung auch in unserem Bereich weiter fortgeschritten ist. Früher waren weniger Mitarbeiter für vieles zuständig. Das geht jetzt natürlich nicht mehr so, das Unternehmen wächst ja auch.

FS: Wir haben natürlich, wie andere Firmen auch, diesen Spagat zu leisten zwischen Effizienzerhöhung und Kreativität, die auch Freiraum und lockeres Arbeiten benötigt. Der Druck ist auch bei uns höher geworden, generell würde ich aber sagen, wir schaffen das noch immer gut. Und wenn aus der Technik heraus eine gute Idee entstanden ist, begeistern wir früher oder später auch den Produktmanager davon.

Es könnte also auch einer von Ihnen mit einer ganz neuen Idee hergehen und sagen: Ich möchte das gerne mal ausprobieren?

AD: Ja, 10 % unserer Arbeitszeit dürfen wir zum Ausprobieren eigener Ideen verwenden.

Das ist ja wie bei Google. Fast.

HH: Das ist schon sehr außergewöhnlich. Bei uns steht auf dem Papier, dass wir das dürfen, die Freiräume, um ein bisschen querzudenken, sind von der Geschäftsleitung ausdrücklich gewünscht.

FS: Natürlich ist es in der täglichen Praxis manchmal schwierig, die 10 % Zeit tatsächlich zu finden. Da obliegt es dann der einzelnen Organisationseinheit, ihren Leuten den Rücken freizuhalten.

AD: Es haben sich auch andere Dinge herausgebildet, zum Beispiel ein Kreativitätskreis. An vier Nachmittagen im Jahr treffen sich rund 100 Kollegen aus der Entwicklung und dem Produktmanagement, um unter der Leitung von ausgewählten Referenten über Innovationen, Ideenentwicklung und neue Kreativitätstechniken zu sprechen.

Dann könnte ja schon sehr bald die nächste Revolution aus der Taufe gehoben werden.

HH: An Ideen ist jedenfalls nie Mangel. Ich hätte jetzt gerade fünf bis zehn Themen, bei denen ich mal genauer nachschauen müsste. Das bringt unser Beruf ja auch mit sich, dass durch den stetigen technologischen Wandel auch ständig viele neue Lösungsmöglichkeiten da sind.

AD: Um diese Themen kümmern wir uns aber auch in unseren gruppen- oder abteilungsinternen Projekten, die nur für zukünftige Produkte gedacht sind. Für mich könnte das nächste System kommen.

ANDRÉ DORNSEIFF


Geboren
1967

Bei Gira seit
1995

Studium
der Elektrotechnik an der Ruhr-Universität Bochum

Werdegang bei Gira
André Dornseiff begann als Hardware-Entwickler und Hardware-Systementwickler bei Gira und arbeitet seit 2000 verstärkt im Bereich Türkommunikation. Seit 2010 ist er Senior-Hardwareentwickler und verantwortlich für die fachliche Teamführung der Hardware-Elektronikentwicklung.

Während seiner Zeit bei Gira absolvierte er Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen:

- EDA-Tool Altium Designer
- Elektronische Videotechnik
- Schaltungssimulation mit Spice
- Störfestigkeit und CE-Kennzeichnung
- EMV-gerechtes Gerätedesign
- CAD-Layout und Leiterplattentechnologie
- Testverfahren und Teststrategien in der Elektronik
- Diverse Maßnahmen zu Soft Skills, wie Kommunikation, Konfliktmanagement, Moderation und Präsentation

Aktuelle Weiterbildungsmaßnahme
Derzeit absolviert André Dornseiff ein Grundlagentraining für Führungskräfte.

HARTMUT HEINBACH


Geboren
1964

Bei Gira seit
2001

Studium
der Elektrotechnik an der Universität Siegen

Werdegang bei Gira
Hartmut Heinbach arbeitet bei Gira als Programmierer für hardwarenahe Software/Firmware in der Gruppe Elektronikentwicklung. Hier ist er verantwortlich für Auswahl, Schaltungsintegration und Firmwareentwicklung von bzw. für Embedded Systems, insbesondere für Komponenten und Geräte des Gira Türkommunikationssystems.

Während seiner Zeit bei Gira absolvierte er Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen:

- EDA-Tool Altium Designer
- Linux/Unix und Embedded Linux-Systemprogrammierung Training
- Embedded Linux Kernel and Driver Development Training
- Design und Entwicklung von Echtzeit-Linux-Systemen
- HW-Inbetriebnahme und Debugging mit Open-Source
- Business English Kleingruppentraining

[Stand 2014]


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