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Kunststoffkenner mit Forschergeist

Interview mit Bernhard Hoster, Technolgiemanager bei Gira im Gechäftsfeld Kunststofftechnik
Stand 4/2014

Bernhard Hoster ist Technologiemanager im Geschäftsfeld Kunststofftechnik bei Gira. Der Experte hat nicht nur verschiedene leitende Positionen in der Region, sondern auch schon in Japan, China und der Türkei innegehabt. Zudem war er lange Zeit als Dozent an der Hochschule tätig. An Forschung und Entwicklung zu arbeiten und das Fachwissen in die Industrie einzubringen – die Kombination war ihm immer besonders wichtig. Das verfolgt er auch bei Gira weiter. Denn Innovation und Kunststoff gehören für Hoster untrennbar zusammen.

Themen Dieses Artikels


Innovationsprozesse


Neue Technologien


Abschlussarbeiten und Gira Technikum

Sie sind ein angesehener Experte auf dem Gebiet der Kunststofftechnik,

BH: Das fing schon mit dem Studium an. Ich habe in Iserlohn an der Fachhochschule Kunststofftechnik studiert und meine Diplomarbeit im Bereich Duroplast geschrieben. Dann war ich am Aufbau des Kunststoffinstitutes in Lüdenscheid beteiligt, habe dort die Abteilung Duroplaste geleitet. Später habe ich die Firma Iserlohner Kunststoff- Technologie [ISK] gegründet und war für diese weltweit unterwegs. Ich war zwei Jahre bei Siemens in Istanbul, habe geholfen, dort eine Duroplast- und Thermoplastfertigung aufzubauen. Dann war ich für Siemens noch in China. Viele wissen das gar nicht, ich habe nicht nur im Bereich der Duroplaste, sondern fast genauso viel im Thermoplastbereich gearbeitet. Allerdings ist Duroplast in der Kunststoffszene nur ein kleiner Bereich, dadurch ist meine Arbeit wesentlich bekannter geworden. Für Thermoplaste gibt es viel mehr Experten, da ist es schwieriger, sich einen Namen zu machen.

Sie waren auch lange Zeit nebenbei als Dozent an der Hochschule tätig. Was hat das für Sie bedeutet?

BH: Das war mir immer sehr wichtig und hat auch für viel Inspiration gesorgt. Die Firma ISK, bei der ich Geschäftsführer war, hat das Kunststoffverarbeitungslabor mit dem Technikum in Forschung und Entwicklung unterstützt. Mitarbeiter wurden im Drittmittelbereich finanziert, entsprechendes Equipment von der ISK für die Forschungsprojekte bereitgestellt. So hatte ich immer einen Zugriff auf Diplomanden und konnte neue Technologien entwickeln, sowohl für Thermo- als auch für Duroplaste. Und diese Kombination – in Forschung und Entwicklung zu gehen, das aber auch in die Industrie reinzutragen – war ein Riesenvorteil.

Wofür stehen Kunststoffe für Sie?

BH: Kunststoffe sind sehr moderne und innovative Werkstoffe, mit denen man unheimlich viel machen kann. Es lassen sich für Gira moderne Designs und Oberflächen ableiten, die durch Kombinationen verschiedener Verfahren neue Entwicklungstrends setzen. Im Bereich der Smart Plastics werden beispielhaft Elektronik und Kunststoff zusammengeführt. Auch die Kombination von Kunststoff und Metallen ist möglich. In der Automobilindustrie wird dies bereits zur Gewichtsreduzierung genutzt. Die Kombination verschiedener Werkstoffe spielt dabei eine große Rolle. In den Kunststoffmaterialien und Verarbeitungsverfahren liegt ein großes Innovationspotenzial. Also ganz klar – Innovation und Kunststoff gehören zusammen. Das sieht man auch daran, dass der Kunststoffanteil in allen Bereichen wächst.



Zufriedenheit spüren:
Bernhard Hoster liebt die Wälder und die grünen Hügel des Bergischen Landes.
„Der Standort Radevormwald ist sehr attraktiv. Ich fühle mich hier pudelwohl.
Wer hier arbeitet, kann zufrieden sein“, sagt er.


Es gibt aber auch Umweltprobleme, die mit den Kunststoffen verbunden sind. Die Meere werden zunehmend damit verschmutzt. Grübeln Sie manchmal darüber?

BH: Natürlich denke ich darüber nach. Da wird vieles getan, auch bei Gira. Wenn wir neue Werkzeuge bauen, versuchen wir die so zu konstruieren, dass keine Angussabfälle mehr entstehen. Außerdem wird jetzt eine Recyclinganlage eingeführt. Das bedeutet, die Angüsse, die wir aus Altlasten noch haben, mahlen wir ein und nutzen sie für neue Produkte. Aber es gibt auch ganz neue Wege. Die Forschung versucht, Kunststoffe zum Beispiel aus Biopolymeren herzustellen. Zum Beispiel Polyamide, die aus Rizinusöl hergestellt werden. Das ist im Prinzip ein technischer Kunststoff aus Pflanzen. Die Anforderungen sind jedoch noch nicht so weit erfüllt, wie wir sie brauchen. Aber es wird weitergehen. Auch Recyclingmaterial wird bei Gira zukünftig eine immer größere Rolle spielen, da die Eigenschaften der Materialien immer weiter verbessert werden.

Das heißt, obwohl Sie ein Vertreter der Kunststoffsparte sind, trauen Sie sich auch, über Alternativen zu Kunststoff nachzudenken?

BH: Die sind sogar im Fokus. Das sind Punkte, die wir uns sehr genau anschauen. Ich bin auch nicht dafür, dass die Meere mit Plastikmüll verschmutzt werden. Ich sehe auch manchmal im Alltag Verpackungen, bei denen ich denke, das muss wirklich nicht sein. Da muss man genauer hinschauen. Solche Überlegungen gelten aber nicht nur für Kunststoffe, sondern für jeden Werkstoff. Man muss jeden Werkstoff so einsetzen, wie man ihn wirklich braucht und wie er den größten Nutzen hat.

Zurück zu Ihrem Beruf – mit mehr als 20 Jahren haben Sie jede Menge Berufserfahrung. Sie haben in vielen wichtigen Positionen gearbeitet – national wie international. 2011 haben Sie dann gesagt: Ich gehe zu Gira. Was hat Sie daran gereizt?

BH: ch habe im Berufsleben so um die 1000 Firmen kennengelernt und mit einigen Unternehmen sehr intensiv gearbeitet. Ich habe große Konzerne kennengelernt wie Siemens, Daimler oder Denso, den zweitgrößten Automobilzulieferer. Gira kenne ich schon seit mehr als 20 Jahren. Bei der ISK in Iserlohn hatten wir immer Dienstoder Kooperationsverträge mit Gira. Schon damals habe ich bei der Zusammenarbeit gemerkt, dass Gira eine besonders gute Kultur hat. Es gibt wenige Firmen, bei denen solch eine Kultur von oben von der Geschäftsführung bis zu den Mitarbeitern ganz nach unten durchgetragen wird. Das hat mich immer begeistert. Daher hat es mich natürlich gereizt, bei Gira anzufangen. Ich bekomme hier auch sehr viele Freiräume für meine Arbeit und die Entwicklung von Ideen. Das ist für mich sehr wichtig.


„Es geht Gira darum, Dinge nach vorne zu treiben, aber vernünftig, nicht übereilt.”

Bernhard Hoster


An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

BH: Ich arbeite an neuen Produkten und Systemen, darüber darf ich aber nicht genauer berichten. Denn die befinden sich noch in der Entwicklungsphase. Aber ich kann auf jeden Fall über einen anderen wichtigen Bereich meiner Tätigkeit sprechen. Zusätzlich zum Technologiemanagement bin ich auch Leiter der Verfahrenstechnik geworden. Die Optimierung der Prozesse und Werkzeuge ist ein wichtiger Punkt, um Qualität und Wirtschaftlichkeit zu gewähren. Ich leite auch ein Technikum hier im Haus mit vier verschiedenen Maschinen. Das macht mir sehr viel Spaß, weil wir da auch neue Technologien entwickeln können. Zudem habe ich für den Kunststoffbereich eingeführt, dass wir Diplomarbeiten im Hause durchführen. Darüber versuche ich das zu leben, was ich früher auch immer gemacht habe, dass ich Innovationen einbringe.

Wenn Sie die vielen Firmen, für die Sie in der Vergangenheit gearbeitet haben, mit Gira vergleichen: Was ist der größte Unterschied?

BH: Der größte Unterschied ist das Menschliche. Wie gut die Menschen hier miteinander umgehen und dass die Geschäftsführung ihre Ziele bis nach unten vertritt. Das heißt, es ist eine Geradlinigkeit im Unternehmen. Gira ist extrem innovativ, für mich eine der innovativsten Firmen, die ich überhaupt kennengelernt habe. Hier wird auch Geld in die Hand genommen, hier denkt man an die Zukunft. Es geht Gira darum, Dinge nach vorne zu treiben, aber vernünftig, nicht übereilt. Man lässt sich Zeit bei Entwicklungen, das ist ganz außergewöhnlich. Das verstehe ich auch als einen Teil der Gira Kultur.

Als jemand, der weit gereist und welterfahren ist – wie fühlen Sie sich in Radevormwald?

BH: Ich lebe gern hier. Vor allem schätze ich es sehr, in der örtlichen Nähe zur Firma zu wohnen. Und wir haben hier in der Region ein Zentrum der Kunststofftechnik mit mehr als 350 Firmen im Umkreis von etwa 100 Kilometern – das ist also auch in dieser Hinsicht ein sehr interessanter Standort, in dem unterschiedlichste Netzwerke im Kunststoffbereich vorhanden sind und von Gira intensiv genutzt werden. Landschaftlich sind das Bergische Land und das Sauerland reizvoll und bieten die unterschiedlichsten Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Auf engstem Raum ist also alles vorhanden, um Beruf und private Interessen zu verbinden.

Steckbrief Bernhard Hoster


Geboren
1962

Bei Gira seit
2011

Studium
Maschinenbau mit der Studienrichtung Kunststofftechnik an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn

Werdegang
Nach dem Studium wurde er Leiter der Duroplastabteilung am Kunststoff-Institut in Lüdenscheid. 1996 war er an der Gründung der Firma Iserlohner Kunststoff-Technologie GmbH [ISK] beteiligt und wurde dort Geschäftsführer. Für diese Tätigkeit war er weltweit unterwegs, arbeitete für längere Zeit in Istanbul und China.

Werdegang bei Gira
Seit 2011 ist er Leiter des Technologiemanagements bei Gira.

[Stand 2014]


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