Jeden Tag neue Herausforderungen

Interview mit Frank Schimmelpfennig, Leitung Elektronikentwicklung
Stand 2019

„In unserem aktuellen Projekt haben wir 200.000 Codezeilen geschrieben.“ - Warum das nur im Team gelingt, erzählt uns Frank Schimmelpfennig, Leiter der Elektronikentwicklung.
Zusammen mit seinem Team meistert er Herausforderungen wie die wachsende Komplexität der Produkte und den immer größer werdenden Innovationsdruck. „Das ist das Interessante am Job, dass nichts geblieben ist, wie vor 20 Jahren.“ Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der fließenden Kommunikation zwischen den verschiedenen Teams und der Eigeninitiative jedes Einzelnen.

Themen Dieses Artikels


Komplexität der Produkte


Produktentwicklung


Eigeninitiative der Mitarbeiter

Warum wollten Sie Elektriker werden? Oder warum haben Sie damals die Ausbildung zum Elektriker gemacht?

Damals in den neuen Bundesländern gab es recht wenige technische Ausbildungsberufe. Ich wohnte in der Nähe einer Berufschule, die Klempner, Automechaniker und Elektriker ausgebildet hat. Und so ist es der Elektriker geworden, weil das die größten Zukunftschancen versprach.

Wie sind Sie dann von Elektrik zu Elektronik gekommen?

Die Elektronik ist ja ein Teilgebiet der Elektrotechnik und das interessantere Teilgebiet, wenn man überlegt, dass man damals wirklich noch mit „Schlitze klopfen“ beschäftigt war. Die Mikroelektronik begann sich damals rasant zu entwickeln und es war absehbar, dass sie in alle Bereiche der Industrie vordringen würde.

Wie hat sich Gira in den letzten 20 Jahren verändert?

Ich habe hier 1995 angefangen und damals war ein einziger Mitarbeiter in der Lage, das Produkt nahezu vollständig zu entwickeln. Heute sind die Produkte bei uns ausschließlich im Team entwickelbar, wir haben immer Elektromechanik und Elektronik mit im Boot und allein im aktuellen Projekt ist es jetzt so, dass wir 200.000 Zeilen Code selbst geschrieben haben. Innerhalb der Elektronikentwicklung haben wir inzwischen Teams für Hardwareentwicklung, Firmwareentwicklung und entwicklungsbegleitende Prüfungen. Die Komplexität ist wirklich in den letzten 20 Jahren extrem gestiegen und das Spannende an der Sache ist, dass wir uns fachlich als auch prozessual ständig weiterentwickeln müssen. Und das ist das Interessante am Job, dass nichts geblieben ist wie vor 20 Jahren.


„Ich habe als Mitarbeiter die Möglichkeit, ernsthaft Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen, auch durch die Hierarchiestufen hindurch. Eigeninitiative ist gewünscht und funktioniert dann tatsächlich auch.“


Wie kommen Sie und Gira mit der gestiegenen Komplexität zurecht?

Gira hat sich deutlich auf diese wachsende Komplexität eingestellt. Seit letztem Jahr haben wir eine eigene Gruppe „Systems Engineering“ gestartet, die uns die Anforderungen für die Produkte viel besser aufbereitet. Die Marktanforderungen des Produktmanagements werden jetzt bereits durch die Systems Engineers in einer Phase „Requirements Engineering“ in technische Details detailliert, so dass der Entwickler konkrete Zahlen, Daten und Fakten in den Anforderungen findet, zum Beispiel, welchen Erfassungsbereich ein Sensor haben soll, welche Wellenlänge eine LED und welchen Frequenzumfang ein Audiosignal. Was im Team wichtiger geworden ist, ist das Thema Kommunikation. Inzwischen gibt es drei separate Teams und wir versuchen durch eine ständige offene Kommunikation das Team zusammenzuhalten. Und diese fließende dauernde Kommunikation hilft uns, die Komplexität besser zu bewältigen. In täglichen „Standup-Meetings“ hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, über seine aktuelle Tätigkeit und deren Herausforderungen zu berichten und vor allem um Hilfe zu bitten. Wir versuchen auch immer mehr automatisch zu testen, weil bei einem Produkt mit Betriebssystem bestimmte Zustände sehr selten oder erst nach sehr langer Betriebszeit durchlaufen werden. Fehler in diesen Teilen würden beim Kunden also erst nach Monaten oder Jahren auffallen. So ist es gar nicht mehr möglich, bei jeder Software-Änderung alles immer wieder manuell zu testen. Durch Testautomation wird unsere Softwarequalität immer besser und wir können schneller eine stabile Version an unsere Kunden weitergeben.

Wie gehen Sie mit dem Innovationsdruck um?

Jede Produktentwicklung hat Ziele zu Funktionsumfang, Liefertermin und Herstellkosten. Dazwischen ein Optimum für das Produkt zu finden, ist die Herausforderung, da sich die Themen gegenseitig bedingen. Wird ein sehr großer Funktionsumfang gefordert, wird natürlich die Entwicklungszeit länger. Und wenn dann zur Beschleunigung ein größeres Team eingesetzt wird, steigen die Entwicklungskosten. Bei uns wird in jedem Projekt entschieden, welches der wichtigste Faktor ist. Das hilft. Manchmal ist es die „Time-to-Market“, manchmal ist es der Produktpreis und manchmal ist es der Funktionsumfang. Wenn jeder im Team mit dieser Priorisierung vertraut ist, wird das Ziel auch erreicht.


„Nach wie vor trifft fast jede Art von Musik aber meinen Nerv. Vor einigen Jahren habe ich wieder angefangen das Musik machen zu intensivieren. Ein wunderbarer Ausgleich zum technik-lastigen Arbeitsalltag.“


Warum haben Sie es nicht bereut, vor 20 Jahren bei Gira angefangen zu haben?

Also an der Produktentwicklung macht mir wirklich Spaß, dass jeden Tag neue Aufgaben entstehen. Jedes Produkt, das beauftragt wird, hat neue Herausforderungen und genau das macht das ganze interessant. Zusätzlich ist es dann sehr schön zu sehen, dass die Produkte irgendwann im Katalog landen und das motiviert dann mehr als Gehalt oder Lob intern. Mir ist es auch wichtig, unsere Abteilung weiterzuentwickeln. Hier arbeiten Menschen, die Ihre Familien versorgen können. Das soll auch so bleiben, dazu müssen wir als Abteilung aber auch wettbewerbsfähig bleiben. In der Hardwareentwicklung waren vor 20 Jahren viele Bauteile noch bedrahtet und aus heutiger Sicht „riesig“, heute kann man die Bauelemente problemlos versehentlich einatmen, so klein sind sie. In der Firmwareentwicklung haben wir mit Assemblersprache gearbeitet, heute werden Betriebssysteme mit mehreren Millionen Programmzeilen eingesetzt und um eigene Funktionsanteile ergänzt. Auch die Methodik der Programmierung hat sich vollständig geändert.

Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße von Gira?

Was uns bei Gira von Großkonzernen wirklich unterscheidet, sind flache Hierarchien. Ich habe als Mitarbeiter die Möglichkeit, ernsthaft Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen, auch durch die Hierarchiestufen hindurch. Eigeninitiative ist gewünscht und funktioniert dann tatsächlich auch. Das Vertrauen, welches in die Mitarbeiter gesetzt wird, führt natürlich wieder zu Motivation. Und aus dieser Motivation heraus entstehen auch immer gute neue Ideen, die dann in die Produkte integriert werden.

Was hat Ihr Hobby, die Musik, mit der Arbeit zu tun?

Ich habe mit 9 Jahren angefangen Gitarre zu spielen und bis zum Alter von 19 Jahren durchgehalten. Während Studium, Berufseinstieg und der Zeit mit 2 kleinen Kindern entstand dann eine längere Pause. Nach wie vor trifft fast jede Art von Musik aber meinen Nerv. Vor einigen Jahren habe ich also wieder angefangen das Musik machen zu intensivieren. Inzwischen kann ich ein wenig Conga, Bongo, Cajon, etwas besser Bass und ganz gut Gitarre spielen. Ein wunderbarer Ausgleich zum technik-lastigen Arbeitsalltag.

Steckbrief Frank Schimmelpfennig


Geboren
1967

Bei Gira seit
1995

Werdegang
Ausbildung zum Elektriker / Studium Automatisierungstechnik, technische Kybernetik in Chemnitz / von 1991 bis 1995 Automation von Transporten in der Textilverarbeitung, davon 1 Jahr in Taiwan

Werdegang bei Gira
Elektronikentwickler / Projektleiter / Leiter der Elektronikentwicklung

Stand 2019

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