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Computernerd mit Zukunftsvisionen

INTERVIEW MIT MARKUS FROMM-WITTENBERG, LEITER BEREICH „ANWENDUNG UND KOOPERATION GEBÄUDESYSTEMTECHNIK“
STAND 2012

Alle Unternehmen wünschen sich kreative und innovative Mitarbeiter. Aber was heißt denn das in technischen Berufen? Markus Fromm-Wittenberg weiß es. Er glaubte an die Kombination aus EIB- und Internettechnologie, als alle anderen noch abwinkten – und kreierte ein Produkt, mit dem ein ganzes Haus per Computer gesteuert werden kann. Bis heute ist der Gira HomeServer einzigartig am Markt und seine Fan-Community ebenfalls. Markus Fromm-Wittenberg verrät, wie es dazu kam und welche Ideen ihn heute bewegen.

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Innovationen


Neue Technologien


Entwicklung neuer Aufgaben

Herr Fromm-Wittenberg, Sie haben den Gira HomeServer erfunden. Was hat Sie gerade an dieser Idee so gereizt?

MF: Als ich 1992 nach dem Studium als Produktmanager bei Gira anfing, kam gerade die EIB-Technologie auf. Das hat mich damals sehr interessiert, ich dachte, da habe ich die Chance, etwas mitzugestalten. Dazu kam später das Thema Internet, das ja ebenfalls sehr faszinierend war, ein ganz neuer Kosmos.

Wie ist die Idee eines Bordcomputers für das Haus konkret entstanden?

MF: Um die EIB-Technologie im Haus zu steuern, gab es bei Gira schon eine Software für den PC, die wir aber bald ablösen wollten. Durch einen glücklichen Zufall haben wir 1996/97 eine Firma kennengelernt, die eigentlich mehr aus dem Bereich der Datenbankprogrammierung kam, sich aber schon damit auseinandergesetzt hatte, wie man die Internettechnologie für die Gebäudeautomatisierung nutzen kann. Ihr Konzept war allen Wettbewerbern zu weit weg, jeder hat abgewinkt. Bei Gira war zufällig ich der Ansprechpartner und fand das von vornherein interessant.

Welche Aspekte haben Sie gesehen?

MF: Ich habe inständig daran geglaubt, dass uns ein solches Produkt in der Zukunft sehr viel weiterhelfen wird. Deswegen habe ich angefangen, das Thema weiterzudenken.

Hat Gira denn von vornherein verstanden, was Sie da gesehen haben?

MF: Nein, zunächst war das eine versponnene Idee von mir, die von vielen auch als solche abgetan wurde. Aber Gira hat trotzdem das Vertrauen zu mir gehabt und mich dieses Produkt weiterentwickeln lassen. Im ersten Schritt entstand eine reine Softwarelösung. Es stellte sich aber heraus, dass unsere Kunden mit einer reinen Software, basierend auf Windows 95, Schwierigkeiten hatten. Auch war diese Software kein Produkt, das man wirklich anfassen konnte. Heute mit den Apps sind die Menschen längst daran gewöhnt, aber damals war es noch sehr schwierig, Kunden so etwas Virtuelles begreiflich zu machen.

Also haben Sie sich schließlich entschlossen, eine Hardwarekomponente zu entwickeln?

MF: Ja, das war dann der nächste Schritt. Diese Variante, die erste, die auch mit IP ausgerüstet war, haben wir um 2000 herum zum ersten Mal auf der Light + Building vorgestellt. Das ist bombig angekommen.


„Ich habe inständig daran geglaubt, dass uns ein solches Produkt in der Zukunft sehr viel weiterhelfen wird.”

Markus Fromm-Wittenberg


Spätestens dann hatten Sie sich also gegen alle Widerstände erfolgreich durchgesetzt. Sind Sie ein besonderer Sturkopf, oder warum hat das bei Ihnen so gut funktioniert?

MF: Natürlich hat das auf der einen Seite damit zu tun, an Dinge zu glauben, daran festzuhalten und sich trotz aller Widerstände im Unternehmen durchzusetzen. Da musste ich auch schon mal was einstecken können. Aber das gesamte Paket war eigentlich bahnbrechend: Gira verkauft einen Bordcomputer. Eine Zentrale in einem dezentralen System, die im EIB-System eine Führungsrolle übernimmt. Die dann auch noch updatefähig ist und jede Neuerung kostenlos an den Markt gibt. Alle halbe Jahre konnte sich nun auch der Vertrieb beim Kunden ins Gespräch bringen, denn zu diesem Produkt gab es ja immer wieder etwas Neues zu sagen. Immer wieder entstanden neue Funktionen, die es dem Kunden ermöglichten, bisher nicht da gewesene Lösungen zu entwickeln.

Ein bisschen weht hier auch der Wind aus den Anfangstagen des Internets mit, oder?

MF: Ja, die gesamte Entwicklung der Funktionswelt war sehr stark durch einen Austausch zwischen Produktentwicklung, Produktmanagement und Kunden geprägt. Sehr früh kam der Gedanke auf, dass Kunden doch auch zu „Mittätern“ werden könnten. Diese wussten, was sie brauchen, konnten Ideen, die wir dann ins Produkt haben einfließen lassen, selbst mitgenerieren.

Im Sinne eines Open-Source-Projektes wie zum Beispiel beim Mozilla Firefox?

MF: Ein bisschen, obwohl wir natürlich ein gewinnorientiertes Unternehmen sind und keine gemeinnützige Organisation. Aber damals haben wir erstmalig ein Testerforum aufgebaut, in das sich auch die User, also die Besitzer eines HomeServers, mit eingebracht haben. Ab der Version HomeServer 2, so um 2004/05 herum, entstand sogar eine richtige Community. Das brachte dann den Modularitätsgedanken mit sich. Es war nicht mehr so wie früher, dass Produkte entwickelt und geliefert wurden, und das war es dann. Der HomeServer wurde zu einem Produkt, das man permanent in kleinen und großen Steps weiterentwickelte.


Markus Fromm-Wittenberg im Gira Ausstellungsraum: „Der HomeServer ist, so habe ich immer gesagt, das typische Schweizer Messer. Ein multifunktionales Gerät, mit dem ich viel machen kann, denn zu jeder Situation habe ich das richtige Tool, das ich nur aufklappen muss.“


Und wie ist es heute?

MF: Mittlerweile hat der HomeServer ein richtiges Eigenleben entwickelt. Im Ganzen gibt es rund 400 bis 500 Bausteine im Markt, die nur von Usern geschrieben und zur Verfügung gestellt werden.

Der HomeServer ist auf dem Markt also zu einer etablierten Größe geworden. Und jetzt haben Sie sich nach neuen Betätigungsfeldern umgeschaut?

MF: Das Konzept für meinen neuen Bereich, den wir „Anwendungen und Kooperationen“ genannt haben, ist eigentlich nicht so weit vom Prinzip des HomeServers entfernt. Es geht in erster Linie darum, Anwendungen zu schaffen und zu beschreiben, wir wollen damit vereinfachen, noch kundenorientierter denken. In Teilen heißt das auch, wegzukommen von diesem Gedanken, dass mit jeder neuen Funktion auch ein neues Produkt entstehen muss. In manchen Fällen müssen einfach nur zwei Produkte zusammengefügt werden, um eine neue Anwendung zu erhalten.

Und das Thema Kooperationen?

MF: Ist ähnlich gelagert. Das Haus besteht aus vielen Gewerken, und wir können nicht alle abdecken. Also arbeiten wir mit anderen zusammen – zum Beispiel mit Viessmann, Revox, Dornbracht oder Miele – und schaffen entsprechende Schnittstellen, damit die Gewerke optimal ineinandergreifen. Auch hier gilt es wieder, Überzeugungsarbeit zu leisten. Da werden noch so manche Krusten aufzubrechen sein, sei es auf Verbandsebene, auf Installationsebene oder bei der Industrie- und Handelskammer.

Ihr Enthusiasmus hat sich anscheinend also auch nach all den Jahren noch nicht abgenutzt.

MF: Nein, ich habe nur mehr Erfahrungen gesammelt, einen anderen Blickwinkel auf die Dinge bekommen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man nur Dinge bewegen kann, wenn man etwas bewegt. Visionen sind die Gegenwart der Zukunft. Ein ziemlich wichtiger Part dabei ist selbstverständlich das Vertrauen, das das Unternehmen in einen setzt. Aber man muss auch Visionen haben, an die man glaubt.

STECKBRIEF MARKUS FROMM-WITTENBERG


Geboren
1964

Bei Gira seit
1992

Ausbildung
zum Elektroinstallateur, danach Erlangung der Fachhochschulreife über den zweiten Bildungsweg

Studium
Der Informationstechnik an der Fachhochschule Osnabrück mit dem Schwerpunkt Automatisierungstechnik.
Abschluss zum Dipl. Ing. (FH)

Werdegang bei Gira
Bei Gira arbeitete Markus Fromm-Wittenberg zunächst im technischen Vertrieb und wechselte 1997 ins Produktmanagement für das Geschäftsfeld Gebäudesystemtechnik KNX/EIB. Seit 2009 leitet er den neuen Bereich „Anwendung und Kooperation Gebäudesystemtechnik“. Während der gesamten Zeit bei Gira absolvierte er diverse Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen Verkauf, Präsentation, Englisch, Netzwerktechnik, Bussysteme wie LON und KNX sowie in Mitarbeiterführung.

[Stand 2012]


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