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Aufbruch mit Ausdauer

INTERVIEW MIT CHRISTIANE HARNISCHMACHER UND LILIJA SARTISON, TEAMKKORDINATORIN IN SEGMENT 5
STAND 2012

Die Montage bei Gira ist in mehrere Fertigungssegmente aufgeteilt. Das Segment 5 montiert Abdeckungen aller Arten, zum Beispiel von Wippschaltern, Tastsensoren oder den Steckverbindern der Kommunikationstechnik. Innerhalb von vier Jahren haben die Mitarbeiter dieses Bereichs elf Mal die „Schlauerprämie“ kassiert, die von Gira für die Steigerung der Netto-Produktivität ausgegeben wird. Alles nur wegen des Geldes? Christiane Harnischmacher und Lilija Sartison, die beiden Teamkoordinatorinnen, sind anderer Meinung. Sie sagen: „Geld allein kann niemals motivieren.“

Themen Dieses Artikels


Bereitschaft für Veränderungen


Offenheit für Ideen


Gestaltungsspielraum

Frau Harnischmacher, Frau Sartison, wie kommt es, dass Ihr Segment immer „schlauer“ wird?

CH: Ich glaube, wir haben einfach früh angefangen mit unseren Optimierungen. Als die Prämie 2007 vorgestellt wurde, lagen wir mit unserer Netto-Produktivität im Keller, wir haben da eine Notwendigkeit gesehen.

Hatte die Geschäftsleitung Sie wachgerüttelt?

LS: Nachdem die Zahlen vorgestellt wurden, waren viele von uns erst mal frustriert, da hieß es: Die „Schlauerprämie“ werden wir niemals bekommen. Aber dann haben wir angefangen zu überlegen, was wir verändern könnten.

CH: Ja irgendwie hat das unseren Kampfeswillen geweckt, wir wollten beweisen, dass wir es besser können.

Also hat Sie diese Prämie schon motiviert?

CH: Sie war zumindest der Aufhänger für eine Art Aufbruchstimmung, die daraus entstanden ist. Und danach wollten wir gar nicht mehr aufhören, wir haben richtig Spaß an der Sache entwickelt. Und das hält bis heute an. Sie wollten also die Produktivität steigern.

Was haben Sie unternommen?

CH: Wir haben einfach angefangen, mit unserem Team zu sprechen. Das passierte ganz beiläufig während der täglichen Arbeit, so haben wir Ideen für Veränderungen gesammelt.

LS: Zu Beginn musste auch im Kopf noch ein Umdenken stattfinden. Wir haben versucht, unsere Mitarbeiter mehr in Richtung Gruppenfähigkeit zu bringen. Zu zeigen, dass wir weg sind von einem Akkord. Das ist mein Arbeitsplatz, das ist mein Stuhl, das war das Denken der alten Hasen aus der Akkordzeit. Eine große Herausforderung bestand auch darin, alte und neue Mitarbeiter ohne Missgunst in die Gruppe zu integrieren. Das sind Dinge, die ihre Zeit brauchten

Sie sagten, Sie haben die Ideen Ihrer Mitarbeiter gesammelt? Was für Ideen waren das denn?

CH: Zum Beispiel sagte eine Mitarbeiterin, so will ich das nicht montieren, so will ich das nicht greifen, auf diese Weise ist es ergonomischer. Eine andere wollte lieber einen kleinen Wagen benutzen, wenn sie kommissionieren geht, so wie im Supermarkt.

LS: Ja, das waren ganz viele Kleinigkeiten, eigentlich einfache Dinge, die aber dann in der Summe viel ausgemacht haben.

Und mit diesen Kleinigkeiten haben Sie dann nach und nach Ihr ganzes Segment auf den Kopf gestellt?

CF: Ja. Ein gutes Beispiel ist die Box, in der wir heute die Modular Jack/Western- Steckverbinder montieren. Sämtliche Arbeitsgänge waren, räumlich gesehen, über das ganze Segment verteilt – bedingt durch die Historie. Für jeden Arbeitsschritt mussten alle Teile in die Kiste ein- und wieder ausgepackt werden, allein das hat die Durchlaufzeiten extrem verlängert. Heute haben wir alle Arbeitsgänge in dieser Box gesammelt und dazu einen vorher ausgelagerten Schritt wieder integriert. Auch ergonomisch ist das eins a, die Plätze sind höhenverstellbar, die Mitarbeiter können sitzen oder stehen.


„Im Privatleben haben wir unterschiedliche Interessen, schau dir allein die Hunde an. Aber menschlich und bei der Arbeit legen wir auf die gleichen Dinge wert.“

Lilija Sartison


Hört das nicht auch mal auf? Irgendwann müsste doch alles optimiert sein, was
geht.

CH: Nein, es kommt ja immer wieder etwas dazu, ein neues Produkt, jetzt aktuell das SAP-System, da ändern sich die Anforderungen natürlich mit. Und schon machen sich alle wieder Gedanken, wie das ablaufen wird und bauen um.

LS: Mittlerweile ist den Mitarbeitern dieser Veränderungswille so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ihnen das schon selbst nicht mehr auffällt. Sie wissen, dass sie nichts blind akzeptieren müssen, was man ihnen vor die Nase setzt.

Und all dies nur wegen der Prämie?

CH: Natürlich hat das auch mit Geld zu tun, aber Sie werden es niemals schaffen, Menschen ausschließlich über Geld zu motivieren. Es muss einfach auch Spaß machen, zu kommen und zu arbeiten. Oft, wenn Herr Dürwald, unser Fertigungsleiter, gefragt hat, was macht euch denn aus, kam die Antwort: Ja, wir dürfen lachen.

Was genau macht Ihnen so viel Spaß bei der Arbeit?

CH: Ich glaube, da ist noch immer diese Aufbruchstimmung bei ganz vielen Mitarbeitern, gleichzeitig ist es aber normal geworden, sich Gedanken über mögliche Veränderungen zu machen. Alle wissen, dass sie nichts hinnehmen müssen, was ihnen nicht zusagt. Und dass Veränderungen keine Angst machen, sondern zu unserem Alltag gehören. Vielleicht haben wir es gut geschafft, dieses Denken in das Team zu implementieren

LS: Ein Anreiz ist sicher auch die Möglichkeit, ohne unnötige körperliche Strapazen arbeiten zu können. Wenn ich die gleiche Arbeit auf bequeme, ergonomische Art und Weise erledigen kann, ohne völlig erschöpft nach Hause zu gehen, und dabei noch eine Schlauerprämie bekommen kann: wieso nicht?


Grundverschieden, aber Zusammenhalt im Beruf: die beiden Teamkoordinatorinnen Christiane Harnischmacher [links] und Lilija Sartison [rechts] bei einem Spaziergang im Wald. „Im Privatleben haben wir unterschiedliche Interessen, schau dir allein die Hunde an. Aber menschlich und bei der Arbeit legen wir auf die gleichen Dinge wert.


Also würden Sie das Selbstbestimmungsrecht Ihrer Mitarbeiter als Hauptimpuls für Spaß und Veränderungswille sehen?

CH: Sicher, denn man fällt nicht in ein altes Raster, wenn man selbst an den Veränderungen mitgewirkt hat. Wenn ich sehe, das tut mir doch gut, dann passiert das nicht. Und dieser Grundsatz, nicht zu den Mitarbeitern zu gehen und zu sagen, du musst, sondern zu sagen, sag du mir, wie du es gerne hättest, der wirkt vielleicht am meisten.

Ist es manchmal schwierig, Veränderungen gegenüber Gira durchzuboxen?

CH: Wir sind zwar manchmal ungemütlich, aber Gira ist da insgesamt sehr offen. Nein, im Gegenteil, ich bin eher glücklich darüber, wie viel Selbstständigkeit in meinem Rahmen möglich ist und wie viele Zugeständnisse ich an meine Mitarbeiter machen kann. Und die geben mir das dann auch zurück. Das ist ein Geben und Nehmen. Ohne unser Team sind wir nix.

Also wird Ihr rund 50 Mitarbeiter starkes Team auch in Zukunft noch ein paar Optimierungsmaßnahmen auf den Weg bringen?

CH: Natürlich, wie gesagt, das hört nicht mehr auf. Wir sind übrigens wieder auf dem besten Wege.

Wohin?

Christiane Harnischmacher: In diesem Jahr zum 12. Mal die „Schlauerprämie“ zu bekommen.

Wir drücken Ihnen die Daumen.

STECKBRIEF CHRISTIANE HARNISCHMACHER


Geboren
1965

Bei Gira seit
2006

Ausbildung
zur Handwerksmeisterin im Bäckerhandwerk

Werdegang bei Gira
Seit 2006 Teamkkordinatorin in Segment 5.

Aktuelle Weiterbildungsmaßnahme
Derzeit absolviert Christiane Harnischmacher eine Weiterbildungsmaßnahme zum technischen Betriebswirt.

STECKBRIEF LILIJA SARTISON


Geboren
1973

Bei Gira seit
2003

Ausbildung
Ausbildung zur Sachbearbeiterin in einem Bauunternehmen

Werdegang bei Gira
Lilija Sartison arbeitete von 2003 bis 2005 als in der Montage und ist seit 2005 Teamkoordinatorin im Segment 5.

[Stand 2012]


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